Die Themen für den Bundeswettbewerb 2008

Zu einem der vier Zitate ist ein Essay zu schreiben:

1.
Die Betrachtung des Todes verändert das Leben.
André Glucksmann: Wut eines Kindes, Zorn eines Lebens. Erinnerungen, S. 235

2.
Eine Hauptaufgabe der Kunst und des Denkens ist es, den Einzelnen aus der Tyrannei seiner kulturellen Umgebung zu befreien und es ihm zu ermöglichen, in einer Autonomie des Wahrnehmens und Urteilens über ihr zu stehen.
Lionel Trilling: Beyond Culture, Preface, 1965

3.
Der moderne Kapitalismus braucht Menschen, die reibungslos und in großer Zahl zusammenarbeiten, die mehr und mehr konsumieren wollen, deren Geschmack jedoch standardisiert, leicht zu beeinflussen und vorauszusagen ist. Der moderne Kapitalismus braucht Menschen, die sich frei und unabhängig fühlen und glauben, keiner Autorität, keinem Prinzip und keinem Gewissen unterworfen zu sein - die aber dennoch bereit sind, Befehle auszuführen, das zu tun, was man von ihnen erwartet, sich reibungslos in die gesellschaftliche Maschine einfügen, sich ohne Gewalt leiten lassen - mit der einen Ausnahme: nie untätig zu sein, zu funktionieren und weiterzustreben.
Erich Fromm: Die Kunst des Liebens, Ullstein 1979, S. 113

4.
Da "doch die Vernunft vom Throne der höchsten moralisch gesetzgebenden Gewalt herab den Krieg als Rechtsgang schlechterdings verdammt, den Friedenszustand dagegen zur unmittelbaren Pflicht macht ... so muß es einen Bund von besonderer Art geben, den man den Friedensbund nennen kann, ... (der) alle Kriege auf immer zu endigen suchte".
Immanuel Kant, Akademieausgabe Bd. VIII, Berlin 1968, S. 356



Die Themen für den Landeswettbewerb 2007/08

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Zu einem der vier Zitate ist ein Essay zu schreiben:

1.
Wenn du einen Menschen glücklich machen willst, dann füge nichts seinem Reichtum hinzu, sondern nimm ihm einige von seinen Wünschen.

Epikur von Samos, 341-270 v. Chr., Lehrbriefe

2.
Sein und Wissen ist ein uferloses Meer. Je weiter wir vordringen, um so unermeßlicher dehnt sich aus, was noch vor uns liegt; jeder Triumph des Wissens schließt hundert Bekenntnisse des Nichtwissens in sich.

Isaac Newton, 1643-1727, Mathematische Prinzipien der Naturphilosophie

3.
Das Schönste, was wir erleben können, ist das Geheimnisvolle. Es ist das Grundgefühl, das an der Wiege von wahrer Kunst und Wissenschaft steht. Wer es nicht kennt und sich nicht mehr wundern, nicht mehr staunen kann, der ist sozusagen tot und sein Auge erloschen.

Albert Einstein, Mein Weltbild, Frankfurt/M, 1984, S. 10

4.
Wenn aber in manchen evangelischen Gemeinden in Deutschland der Geburtstag Mohammeds gefeiert wird, und wenn wir es hinnehmen, dass vermummte Frauen mitten durch Europa laufen, obwohl die Möglichkeit, einander ins Gesicht zu sehen, ein wichtiges Element des kultivierten Umgangs miteinander ist, dann ist der Kampf auf einigen wichtigen Terrains schon verloren. (...) Wir tun so, als ob es um ein religiöses Problem ginge, obwohl doch ein harter politischer Konflikt stattfindet: Eine vermutlich kleine, aber doch sehr handlungsbereite und hoch motivierte Gruppe von Menschen unternimmt den Versuch, anderen ihren Lebensstil aufzuzwingen. Die Toleranz, von der Sie gesprochen haben, kommt in einer solchen Situation nur den Rabauken zugute. Sie halten sich nicht an die Spielregeln, und wenn sie abgemahnt werden, erheben sie den Vorwurf der Intoleranz. Deshalb muss man heute intolerant sein, um bestimmte Grundrechte zu garantieren.

Henryk M. Broder: "Man muss heute intolerant sein!" (Wiener Zeitung, Dienstag, 18. September 2007