Die Themen für den Landeswettbewerb 2018/19

Download der vier Themen (PDF)

Zu einem der vier Zitate ist ein Essay zu schreiben:


1.
Die Älteren von früher haben den Jungen gesagt: Es kommt darauf an, mit dem, was man hat, und mit dem, was man ist, zufrieden zu sein. Diese Elementarform von Lebensklugheit ist durch massenmediale Trends hinweggefegt worden. Wir leben in einer Gesellschaft aus Stars, die nur noch nicht entdeckt sind. In jedem Ego tickt die Zeitbombe: It could be you.

Peter Sloterdijk: Vom Menschen zum Monstrum. Interview mit Michael Hesse, Frankfurter Rundschau, 18. 9. 2014

2.
Es scheint der Fluch der Gegenwart zu sein, dass fast jeder Edelstein der Wissenschaft ein Grabstein der Menschheit wird.

Erwin Chargaff: Zeugenschaft. Essays über Sprache und Wissenschaft. Stuttgart: Klett-Cotta, 1985, S. 170

3.
Bullshit ist immer dann unvermeidbar, wenn die Umstände Menschen dazu zwingen, über Dinge zu reden, von denen sie nichts verstehen. Die Produktion von Bullshit wird also dann angeregt, wenn ein Mensch in die Lage gerät oder gar verpflichtet ist, über ein Thema zu sprechen, das seinen Wissensstand hinsichtlich der für das Thema relevanten Tatsachen übersteigt … In dieselbe Richtung wirkt die weit verbreitete Überzeugung, in einer Demokratie sei der Bürger verpflichtet, Meinungen zu allen erdenklichen Themen zu entwickeln oder zumindest zu all jenen Fragen, die für die öffentlichen Angelegenheiten von Bedeutung sind.

Harry G. Frankfurt: Bullshit. Frankfurt: Suhrkamp, 2006, S. 70 f

4.
Die Gerechtigkeit ist die erste Tugend sozialer Institutionen, so wie die Wahrheit bei Gedankensystemen. Eine noch so elegante und mit sparsamen Mitteln arbeitende Theorie muß fallengelassen werden, wenn sie nicht wahr ist; ebenso müssen noch so gut funktionierende und wohlabgestimmte Gesetze und Institutionen abgeändert oder abgeschafft werden, wenn sie ungerecht sind. Jeder Mensch besitzt eine aus der Gerechtigkeit entspringende Unverletzlichkeit, die auch im Namen des Wohls der ganzen Gesellschaft nicht aufgehoben werden kann. Daher läßt es die Gerechtigkeit nicht zu, daß der Verlust der Freiheit bei einigen durch ein größeres Wohl für andere wettgemacht wird.

John Rawls: Eine Theorie der Gerechtigkeit. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1979, S.19 f.