Die Themen für den Landeswettbewerb 2019/20


Download der vier Themen (PDF)


Zu einem der vier Zitate ist ein Essay zu schreiben:


1.
Sind Sie überflüssig? Natürlich nicht. Ihre Kinder? Nein, keineswegs. Ihre Verwandten, Ihre Freunde? Geradezu eine unverschämte Frage, ich weiß. Ehrlich gesagt, empfinde ich mich selbst auch nicht als überflüssig. Wer tut das schon? Höchstens an ganz schlechten Tagen. Und doch gelten viele Menschen auf Erden als überflüssig, aus Sicht von Ökonomen, internationalen Organisationen, global agierenden Eliten. Wer nichts produziert und - schlimmer noch - nichts konsumiert, existiert gemäß den herrschenden volkswirtschaftlichen Bilanzen nicht.

Ilija Trojanow: Der überflüssige Mensch. Residenz, 2013, S. 7


2.
Auch wenn sie es nicht gerne hören: Die großen technischen Innovationen sollte man nicht der Jugend überlassen; ihr fehlt die Weisheit, damit angemessen umzugehen.

Michael Köhlmeier, Konrad Paul Liessmann: Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist, Adam? Hanser, 2016, S. 43


3.
Die Wahrheit ist häßlich. Wir haben die Kunst, damit wir nicht an der Wahrheit zugrunde gehen.

Friedrich Nietzsche: Aus dem Nachlaß der Achtzigerjahre. Werke in drei Bänden. München 1954, Band 3, S. 830-838


4.
Was aber wäre, wenn wir es wagten, die Beziehung zwischen Wissen und Emanzipation neu zu denken? […]. Doch genau das ist der lähmende Effekt, auf den die Machthaber heute abzielen: Sie ziehen unsere Fähigkeit, uns selbst zu bilden, um gemeinsam eine bewohnbarere und gerechtere Welt aufzubauen, ins Lächerliche. Man bietet uns jede Menge Gadgets zur Rettung an: Technologien und Wunschdiskurse. Leader und Fahnen. Kürzel. Bomben. Wir werden in Projekte mit delegierter Intelligenz hineinmanövriert, bei denen wir Menschen endlich so dumm sein können, wie wir es schon zu sein bewiesen haben, weil die Welt und ihre Machthaber an unserer Stelle intelligent sein werden. Eine smarte Welt für ihre unheilbar dummen Bewohner.

Marina Garcés: Neue radikale Aufklärung. Turia + Kant, 2019, S. 13